Geburt 2017

Am ET war ich vormittags im Krankenhaus für die Vorsorge. Meine befreundete Hebamme, die auch die Geburt begleiten sollte, war endlich wieder für gesund erklärt worden und durfte wieder in den Kreißsaal. Auf dem CTG war nichts los, keine Wehe. Ansonsten war im US alles in Ordnung. Um kurz nach zwei war ich dann wieder zu Hause und setzte mich kurz entschlossen an die Nähmaschine. Um 15:06 Uhr spürte ich die erste deutliche Wehe. Aber ich wollte erstmal abwarten. Die Wehen kamen alle 20 Minuten. Ein ige Wehen später schrieb ich meiner Hebamme eine Nachricht, dass ich Wehen habe und ging erstmal spazieren. Die Wehen blieben, wurden aber nicht stärker. Unterwegs traf ich meinen Mann mit unserer 3-jährigen Tochter und ich meinte zu ihnen, es könnte jetzt los gehen.
Wieder zu Hause habe ich dann ein Bad mit dem ominösen Duftöl genommen, welches mir meine Hebamme mitgegeben hatte. Ich bekam davon einen roten Ausschlag und deutlich stärkere Wehen. Wir haben dann meine Schwiegermutter angerufen und nach Bonn bestellt. Unsere Tochter war total aufgedreht und wuselte um 10 Uhr abends immer noch durchs Haus. Ich saß derweil auf dem Gymnastikball. Mein Mann wollte dann, dass wir alle nochmal schlafen gehen. Und ich dachte nur so: „Ja klar, geh du mal schlafen, ich geh daweile ein Kind bekommen.“ Hab mich trotzdem erstmal mit hingelegt und Wehenabstände gemessen. Gegen 11 Uhr abends waren sie schon bei alle 1-2 Minuten. Meine Hebamme konnte noch nicht kommen, also wollte ich lieber schon ins Krankenhaus. Ich hatte vor allem Angst, dass mir zu Hause die Fruchtblase platzt und jemand die „Sauerei“ wegwischen muss.
Also hab ich meinen Mann wieder aus dem Bett gescheucht, den Koffer geschnappt, die restlichen Sachen eingepackt, immer wieder eine Wehe veratmet -ich kam gerade so die Treppe rauf bzw runter- und dann ab ins Auto meiner Schwiegermutter und zum Krankenhaus.
Da mein Mann keine Parkgebühr zahlen wollte, parkte er ein gutes Stück entfernt von der Klinik. Auf dem Weg vom Parkplatz zum Kreißsaal musste ich vier Wehen veratmen, sprechen ging dabei schon nicht mehr und ich musste mich auch an irgendwas festhalten, bevorzugt an meinem Mann. Dann hab ich am Kreißsaal geklingelt und der Gegensprechanlage erklärt, dass ich Wehen habe. Gefühlt passierte danach eine Ewigkeit nichts. Dann kam endlich meine Hebamme um die Ecke und öffnete die Tür zum Kreißsaalbereich. Dies veranlasste die diensthabende Hebamme auch mal aus dem Pausenraum zu kommen und nachzusehen, was eigentlich los ist. Ich wurde dann erstmal ans CTG angeschlossen und die Ärztin kam um das weitere Vorgehen zu besprechen. Eigentlich wollte ich keinen Zugang haben. Allerdings macht das Krankenhaus immer vorsorglich eine Antibiose, wenn wie bei mir 1. keine negativer ß-Streptokokken-Abstrich vorliegt und 2. dieser in der vorigen Schwangerschaft positiv war. Natürlich hab ich mich geärgert, dass ich den Test nicht habe machen lassen, immerhin hätte er ja negativ sein können. Andererseits dachte ich mir: „Zweimal Antibiose unter Geburt im Abstand von 8 Stunden schaffen wir eh nicht.“ Allerdings war auch mir bewusst besser eine als keine. Trotzdem wollte ich, dass meine Hebamme erstmal nach dem Muttermund schaut. Er war verstrichen und zwei Finger-breit durchlässig. Also eher ein Anfangsbefund, könnte also noch etwas dauern.
Den Zugang konnte mir die Ärztin nicht gleich legen, da ich totale Panik bekam und Angst hatte, dass es nicht klappt, weil ich die letzten Stunden viel zu wenig getrunken hatte. Die Ärztin war über mein klares „Nein“ sehr verärgert und ist erstmal aus dem KReißsaal gegangen. Ich hab mich mit meiner Hebamme beratschlagt und erstmal ordentlich was getrunken. Als die Ärztin später wieder kam, konnte sie (fast) problemlos den Zugang legen.
Nach jeder Wehe nahm ich Bryophyllum, damit die Wehenabstände größer werden, dafür aber die einzelnen Wehen intensiver. Mittlerweile musste ich die Wehen auch schon ordetnlich vertönen, das half mir gut gegen die Schmerzen. Trotzdem habe ich mir mehrmals gedacht, dass es wohl bei 2 Kindern bleiben wird!
Nachdem ich vom CTG befreit war, animierte mich meine Hebamme verschiedene Positionen auszuprobieren: sitzend auf dem Gymnastikball, in den Wehenpausen ins Tragetuch hängen, dabei saß mein Mann immer hinter mir. Er war mir eine sehr große Stütze, denn wieder hatte ich starke Rückenwehen, die sehr an meinen Nerven gezerrt haben. Er konnte das gut lindern, indem er bei jeder Wehe diesen Bereich massiert hat. Irgendwann schlug meine Hebamme vor, ich solle doch mal in die Badewanne gehen, was ich zögernd annahm. Rückblickend muss ich sagen, dass es eine gute Idee war, denn in der Wanne waren die Rückenwehen viel besser auszuhalten. Allerdings wurde es mir irgendwann zu warm im Wasser und ich musste wieder raus. Aber eine Wassergeburt hätte ich mir eh nicht vorstellen können. Die Wanne hat ordentlich was gebracht, da wir innerhalb kurzer Zeit nun bei 8 cm waren.
Ich hab mich dann erschöpft vom warmen Wasser und den Wehen aufs Kreißbett fallen lassen, woraufhin meine Hebamme mir einen Positionswechsel vorschlug: „Willst du mal in den Vierfüßler/die Hocke, mit einem Bein angewinkelt und an deinen Mann gehangen ausprobieren?“ Auch wenn diese Position recht anstrengend war, empfand ich es angenehm und anscheinend hat es echt viel gebracht. Meine Wehen wurden nun schon so intensiv, dass ich teilweise richtig verkrampft habe. Ich wusste nicht, was das ist und dachte nur „Shit, ich darf doch noch nicht pressen!“ Doch meine Hebamme meinte nur, ich solle meinen Körper einfach machen lassen und es nicht blockieren. Das ist mir trotzdem echt schwer gefallen. Für meinen Mann war diese Hockposition extrem anstrengend, da es viel Kraft kostet seine Frau in jeder Wehe mit fast dem ganzen Gewicht aufzufangen und zu halten. Irgendwann haben wir dann den Geburtshocker ausprobiert, sodass ich vor meinem Mann saß. Allerdings gefiel mir diese Position irgendwie nicht, dass merkte auch meine Hebamme sehr schnell. Zusätzlich ging es auch nicht mehr so voran wie erwartet. Wir haben wieder in die Hockposition gewechselt. Es war mittlerweile irgendwas zwischen 4 und 5 Uhr morgens.
Aufgrund des Geburtsfortschritts musste jetzt die ganze Zeit CTG geschrieben werden. Da das Gerät aber ständig die Herztöne des Babies verlor und die Schallköpfe nur schwierig an meinem Körper hielten, war jetzt die Ärztin auch dabei, eben um die Köpfe vom CTG mit festzuhalten. Meine Hebamme untersuchte dann nochmal und während der nächsten Wehe platzte dann, für mich überraschend die Fruchtblase. Danach wurde der Druck, wie angekündigt, deutluch stärker. Schließlich schickte meine Hebamme mich wieder aufs Kreißbett. Ich schaute nun einmal auf dem Fenster und stellte erstaunt fest, dass es bereits hell wurde (Juli). Irgendwie war ich dadurch erleichtert, da ich den Morgen sehr mag und auch weil ich ahnte, dass ich es bald geschafft haben würde.
Schließlich war ich irgendwann vollständig eröffnet. Ich lag seitlich auf dem Kreißbett mit dem rechten Bein oben, gegen meine Hebamme angestützt. Mein Mann hatte sich hinter mich gelegt und war emotional voll dabei.
Nun sollte ich bei den Wehen pressen. Gefühlt hat es ewig gedauert, in Wirklichkeit wahrscheinlich nur fünf Presswehen oder so, bis der Kopf da war. Meine Hebamme hatte mich auch gut darauf vorbereitet, da sie meinte: „Gleich kommt der Punkt, wo du denkst es geht nicht weiter und da musst du einfach weiter pressen.“ Entsprechend habe ich es dann unter der Wehe gemacht.
Den bereits geborenen Kopf hätte mir meine Hebamme per Spiegel gezeigt und sie fragte ob ich ihn anfasse wolle, aber das wollte ich nicht. Aber mein Mann wollte gerne und begann vor Glück noch mehr zu weinen. Nun dauerte es relativ lang, bis die nächste Wehe kam, der Kleine fing schon an zu motzen. Aber dann wurde er mit der nächsten Wehe um 6:31 Uhr ganz geboren.
Er wurde mir direkt auf den Bauch bzw die Brust gelegt und ich konnte es gar nicht fassen. Ich spürte die Nabelschnur am Bauch, am Bein, in der Scheide. Mein Mann weinte weiter vor Glück, aber bei mir war irgendwie nur Fassungslosigkeit, dass ich es geschafft habe. Unser Sohn schrie sich erstmal ausgiebeig die Lunge frei. Mein Mann hat dann die Nabelschnur durchtrennt. Die aufgrund meiner Rhesusunverträglichkeit und den Regeln im Krankenhaus entgegen meines Wunsches nicht auspulsieren durfte.
Ich hab mir den Kleinen erstmal ausgiebig angeschaut und musste einfach auch unters Handtuch schauen, ob es wirklich ein Junge ist und für einen Blick auf die Nabelschnur und den frischen Nabel. Dieser Blick auf die intakte Nabelschnur hat mir bei meiner Tochter so sehr gefehlt, da ich den Nabel erst am 2. Lebenstag zu Gesicht bekam und da war er schon total eingetrocknet.
Kurze Zeit später wurde dann die Plazenta geboren. Wir haben sie uns zeigen und erklären lassen, mitnehmen wollten wir sie allerdings nicht. Die Ärztin stellte bei ihrer Untersuchung einen Dammriss 2. Grades und einen Scheidenriss fest. Unterlokaler Betäubung hat sie mich etwa 30 Minuten genäht. Das war mega unagenehm. Währenddessen hat mein Mann mit unserem Sohn gekuschelt. Danach durften wir noch eine halbe Stunde zu dritt auf dem Kreißbett kuscheln, bevor die U1 gemacht wurde. Der kleine Junge war 52 cm lang, hatte einen Kopfumfang von 35 cm und wog 3550 Gramm. Danach durfte ich weiter mit ihm kuscheln. Irgendwann wechselten wir vom Kreißbett in ein normales Krankenhaus-Bett und vom Kreißsaal in ein Krankenhaus-Zimmer neben dem Kreißsaal. Ich habe dann erstmal etwa eine Stunde geschlafen, kuschelnd mit meinem schlafenden Baby. Später hat meine Hebamme ihn dann angezogen. Nachmittags gegen 3 Uhr wurde ich auf Station verlegt. Ich hätte auch gehen dürfen, war aber ganz froh über den Rund-um-Service und die tollen Krankenhausbetten mit meinen Geburtsverletzungen. Außerdem sollte mein Sohn 48 Stunden zur Beobachtung bleiben wegen den ß-Streptokokken und ich brauchte noch die Rhesusprophylaxe, die mir erst nach Auswertung des Bluttests meines Sohnes gegeben werden sollte. Hätte dann also in die Klinik zurück kommen müssen. Allerdings hab ich uns nach 24 Stunden entlassen, da es mir und ihm gut ging und ich einfach nach Hause zu meiner Familie wollte. Die Prophylaxe hatte ich da endlich erhalten. Die Kinderärzte waren nicht so begeistert, dass ich schon gehen wollte und haben ihn nochmal untersucht, war aber alles unauffällig. Wir hatten damals in Bonn eine ganz tollen Kinderärztin, die für die U2 zu uns nach Hause gekommen ist und deren Handynummer wir für den Notfall hatten.
Stillen hat auf anhieb und ohne Stillhütchen geklappt.

Fazit von 2017
Diese Geburt war so anders als die Geburt meiner Tochter, die im Kaiserschnitt endete. Die durchgehende Unterstützung meines Mannes und meiner Hebamme hat mir sehr geholfen. Ich konnte mich auch die ganze Geburt über auf mich konzentrieren, da alles mit meiner Hebamme geklärt war und keine Fragen bezüglich PDA oder Schmerzmittel aufkamen. Ich habe während der Geburt nicht an meine Kaiserschnittnarbe gedacht, das kam erst mit den Nachwehen, bei denen ich teilweise dachte mich zerreißt es. Aber mir wurde von einer Ärztin bestätigt, dass dann nichts mehr an der Narbe passieren könne.
Ich bin sehr stolz es geschafft zu haben, ohne PDA, ohne Schmerzmittel, ohne Eingriff von außen. Mein Körper hat es ganz alleine geschafft dieses Kind auf die Welt zu bringen. und nur mit Hilfe meiner Hebamme. Auch meine Bindung zu diesem Kind ist anders, von Anfang an waren da nur positive Gefühle für mein Kind. Bei meiner Tochter hatte ich daneben noch negative Gefühle durch den Kaiserschnitt, das Gefühl versagt zu haben, aber auch die Einsamkeit, da ich mehrere Tage ohne meinen Mann im Krankenhaus bleiben musste und mich durch den Kaiserschnitt körperlich total überfordert fühlte mit der Aufgabe mich um ein Neugeborenes zu kümmern.
Das Wochenbett mit meinem Sphn war ganz anders, ich konnte uns beide versorgen und hatte noch meinen Mann als Unterstützung da.

Fazit von heute
Aus heutiger Sicht betrachtet und nach einer weiteren Geburt und noch mehr Wissen, sehe ich auch in dieser Geburt 2017 einige unnötige Interventionen, aber auch Entscheidungen und Einstellungen meinerseits, die mir die Geburt unnötig erschwert haben. Ich würde heute viel länger zu Hause bleiben anstatt in die Klinik zu fahren. Ich würde offener mit meinem Mann sprechen, was in mir los ist, was ich denke und brauche. Heute hätte ich keine Angst mehr, dass die Fruchtblase zu Hause springt, da es eben keine „Sauerei“ ist, sondern (meistens) klares Wasser und mit ein paar Handtüchern schnell beseitigt. Generell war ich bei dieser Geburt sehr präsent, dieses Gefühl nicht mehr anwesend zu sein, nur mich wahr zu nehmen, quasi auf einen anderen Planeten abzuhauen, hatte ich bei der Geburt 2017 nicht. Deshalb konnte ich auch nur schwierig meinem Körper die Kontrolle überlassen und deshalb hat die Geburt trotz starker und sehr regelmäßiger Wehen vergleichsweise lange gedauert. Die Frauen in meiner Familie hatten immer sehr schnelle und unkomplizierte Geburten, so wie meine Geburt 2020. Unsere Körper sind zum Kinder gebären gemacht, allein der Kopf muss ihn machen lassen.

Geburt 2013, Geburt 2014 und Geburt 2020.

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